Rückblick szenische Lesung: Milena Oda las aus „Nennen Sie mich Ausländer!“ auf Tschechisch und Deutsch

Milena Oda (rechts im Bild) mit Franziska Müller vom Kiezlesereise-Team © Kiezlesereise

Die Autorin Milena Oda übernahm die Abschlussveranstaltung der 2. Kiezlesereise am 11. November 2015. Bei ihrer zweisprachigen szenischen Lesung im JugendKulturZentrum PUMPE las sie Auszüge aus „Nennen Sie mich Ausländer!“ auf Tschechisch und Deutsch. Für das Lesen ihres Prosaessays – mit Unterstützung durch Franziska Müller vom Kiezlesereise-Team – und die anschließende Diskussion mit den Gästen bedanken wir uns ganz herzlich!

Über die zweisprachige Lesung von Milena Oda

Bei der vierten und letzten Lesung der Kiezlesereise 2015 drehte sich alles um den Prosaessay „Nennen Sie mich Ausländer“. Milena Oda verarbeitete darin ganz persönliche Erfahrungen zum Ankommen in einem neuen Land. Sie benennt dabei allerdings kein bestimmtes Land, sondern beschreibt stattdessen bewusst verallgemeinernd und provokativ, wie Menschen ihr, der “Ausländerin”, begegneten und mit welchen Vorurteilen sie zuweilen konfrontiert wurde.

Eben diese Ungewissheit über den Ort der Handlung erlaubte es den Zuhörern, sofort eine Verbindung zum Text aufzunehmen und die Szenen mit eigenen Erfahrungen, ob im Heimatland oder einem fremden Land, zu vergleichen. Universelle Rollen, Probleme und Klischees wurden entlarvt und als Herausforderungen im Alltag jedes Zugereisten beschrieben.

Die Gesellschaft gebe durch den Gebrauch bestimmter Wörter nämlich Feedback und vermittle damit also auch eine bestimmte Aussage. Milena Oda hält mit ihrem Text dieser Gesellschaft einen Spiegel vor. Das Wort „Ausländer“ habe in unserem Wortschatz eine weitestgehend negative Konnotation. Es sei an uns allen, es mit etwas positivem zu verbinden.

Diskussion mit Fazit des Abends: „Die Welt ist voller Ausländer!“

Der Text „Nennen Sie mich Ausländer“ regt zum Diskutieren an und genau das haben die Kiezlesereise-Zuhörer auch getan, zum Beispiel über die aktuelle Fluchtssituation. Milena Oda sieht die Geflüchteten und die derzeitige Lage als eine Chance zur Heilung für uns alle. In Deutschland habe sich viel bewegt und den Flüchtenden werde sehr viel Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegen gebracht. „Deutschland liebt sehr“, so Milena Oda.

Auch das Thema Jugend und Politik kam zur Sprache: inwiefern wirkt die Politik aktuell auf Jugendliche ein, auch und besonders im Zusammenhang mit der aktuellen Geflüchtetensituation? Milena Oda regt hier ganz klar Eigeninitiative an. Man müsse selbst Begegnungen schaffen, wie solche Lesungen, und offen sein in der persönlichen Wahrnehmung. Jeder müsse an sich selbst arbeiten und auf Leute zugehen. Man solle sich nicht auf die Politik verlassen, die eigenen Werte seien wichtig.

Ein Besucher beschrieb seine Reaktion auf den Text als ein sich ständig veränderndes Gefühl. Während der Lesung fühle man sich zugleich angegriffen und verletzt. Zum Ende hin allerdings komme die Erkenntnis: „Im Grunde sind wir alle Ausländer, das tat mir gut.“ Denn trotz aller Provokation möchte Milena Oda eine positive Botschaft vermitteln: Die Menschheit ist beweglich wie ein Ozean, beweglich und veränderlich zum Guten hin.

Über die Autorin Milena Oda: “I´m a writer not a fucking bestseller”

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Welt das Zuhause von Milena Oda ist. Die charmante Autorin mit tschechischen Wurzeln ist genauso in Berlin wie in New York zu Hause und auch mit der arabischen Welt verbindet sie ein starkes Gefühl. Das Label Osteuropäerin lässt sie sich nicht aufdrücken und auch in literarische Schubladen möchte sie nicht gesteckt werden. Sie schreibt Prosa, Lyrik, Essays und Theaterstücke auf Deutsch, Tschechisch und Englisch. Sowohl in ihren Texten als auch im Leben will sie der Welt mit Liebe, Respekt, Optimismus und Humor begegnen.

„Nennen Sie mich Ausländer“ wurde 2012 geschrieben und 2013 veröffentlicht. Eine englische Version gibt es bereits, gerade wird das Buch komplett ins Tschechische übersetzt und danach soll die arabische Übersetzung folgen. Milena arbeitet momentan außerdem mit einem Geflüchteten zusammen an dem Lied “Don´t call me refugee”.

Unser Leseort des Abends: JugendKulturZentrum PUMPE

Ein großer Dank für die Unterstützung gilt dem JugendKulturZentrum PUMPE. Auf dem Gelände des ehemaligen ‪Abwasserpumpwerks bespielten wir ein schönes Backsteingebäude. Im Zentrum steht bei der PUMPE regulär die ‪künstlerische ‪Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Informationen zum JugendKulturZentrum gibt es auf der PUMPE-Website oder der Facebook-Seite.

Fotos zur Lesung mit Milena Oda

Die Fotos zur Lesung mit Milena Oda sind auf unserer Kiezlesereise-Facebookseite, eine Auswahl gibt es hier:

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